
„Hier gibt es so viele unentdeckte Juwelen“ – lokale Unternehmer wollen den Tourismus in Rautjärvi stärken
Im Juli 2025 fuhr ein französisches Paar mit dem Motorrad auf den Hof von Hugos Pfarrhaus in Rautjärvi. Ausländische Gäste sind im Sommercafé nichts Ungewöhnliches, doch dieses Paar war ganz bewusst an die finnische Ostgrenze gereist – wegen des Simo-Häyhä-Museums. Ihr Interesse war durch einen Bestseller des französischen Autors Olivier Norek über den legendären finnischen Scharfschützen geweckt worden. Das Buch, in dem Rautjärvi immer wieder erwähnt wird, hat sich mehrere Hunderttausend Mal verkauft.
Der Besuch brachte den Unternehmer Heikki Penttilä von Hugos Pfarrhaus dazu, über die unerwartete internationale Aufmerksamkeit nachzudenken.
„Das Buch hat Rautjärvi eine Sichtbarkeit verschafft, die mit keinem Marketingbudget zu kaufen wäre. Jetzt ist es entscheidend, dass die Gäste länger in der Region bleiben“, sagt Penttilä.
Der Tourismus steht im Zentrum von Penttiläs unternehmerischer Tätigkeit. Neben Hugos Pfarrhaus betreibt er vermietbare Blockhütten, traditionelle Rauchsaunen sowie ein Gästehaus im nahegelegenen Ruokolahti. Seine Motivation geht jedoch über das eigene Unternehmen hinaus: Er möchte die Vitalität ganz Südkareliens stärken.
Gemeinsam mit zwei weiteren lokalen Unternehmern – dem Taxiunternehmer Heikki Partinen und Katri Einovaara, die den auf Tierschutz spezialisierten Kaskivaara-Hof betreibt – initiierte Penttilä ein Tourismusentwicklungsprojekt. Das Projekt New Rise of Tourism, Part 2 wird von der regionalen Entwicklungsgesellschaft KEHY (Imatra Region Development Company) verwaltet und finanziert.
KEHY als Ermöglicher
Die Rolle von KEHY ist dabei entscheidend. Die Organisation übernimmt Verwaltung und Finanzierung und ermöglicht es den Unternehmern, sich auf die Entwicklung konkreter Angebote zu konzentrieren.
„Ohne KEHY gäbe es dieses Projekt schlicht nicht. Keines von uns kleinen Unternehmen hätte die Zeit oder das Fachwissen gehabt, das allein zu stemmen“, sagt Penttilä.
Laut KEHY-Unternehmensberaterin Miia Ruohio funktioniert das Projekt gerade deshalb, weil es von den tatsächlichen Bedürfnissen der Unternehmer ausgeht:
„Das ist ein praktisches Instrument zur Stärkung von Tourismus und Unternehmertum in der Region. Wenn Unternehmer die Inhalte aus ihrer eigenen Alltagsrealität heraus gestalten, entstehen greifbare und nachhaltige Ergebnisse.“
Zentraler Gedanke des Projekts ist die Zusammenarbeit: gemeinsame Servicepakete und ein regionales Netzwerk zu schaffen, das es Besucherinnen und Besuchern erleichtert, die Region zu erleben.

„Hier gibt es so viele unentdeckte Diamanten. Wir müssen sie nur freilegen“, fasst Penttilä zusammen.

Von Transportdiensten zu Tierbegegnungen und Rauchsaunen
Ein wesentlicher Bestandteil des Gesamterlebnisses sind Transportdienstleistungen. Partinens Unternehmen Taxikko Oy bietet flexible Lösungen – von Abholungen an Flughäfen bis hin zu individuell geplanten Routen vor Ort.
„Es geht darum, dass die Gäste alles aus einer Hand bekommen – inklusive Transport“, erklärt Partinen.
Ein Ziel dieser Fahrten ist Einovaaras Kaskivaara-Hof, der Green-Care-Erlebnisse rund um Tiere und Natur anbietet. Die zutraulichen Schafe, Ziegen, Schweine, Pferde, Hühner und Hunde sind an den Kontakt mit Menschen gewöhnt und machen die Besuche besonders eindrücklich. Die Anlagen sind vollständig barrierefrei – ein Spiegel von Einovaaras beruflichem Hintergrund im Pflegebereich.


Nach den Tierbegegnungen können die Gäste in Penttiläs traditionellen Rauchsaunen entspannen – ein Erlebnis, das für viele internationale Besucher nach wie vor etwas Exotisches ist.
Zusammenarbeit mit Zukunft
Die Unternehmer sind überzeugt, dass saubere Natur, kulturelles Erbe und hochwertige touristische Dienstleistungen eine starke Kombination bilden. Das Projekt bindet auch weitere regionale Akteure ein und ermöglicht Aktivitäten wie Angeltouren, Wildtierbeobachtungen oder geführte Touren zur lokalen Geschichte.
Obwohl das Projekt offiziell bis Ende 2027 läuft, verstehen die Beteiligten es nicht als kurzfristige Maßnahme.
„Es geht darum, alltägliche unternehmerische Arbeit in etwas zu verwandeln, das wächst und Bestand hat“, sagt Penttilä.

Die gemeinsame Hoffnung ist, dass die Zusammenarbeit auch andere Akteure inspiriert und der Tourismus in Südkarelien tatsächlich neuen Auftrieb erhält – sodass die verborgenen Schätze der Region endlich sichtbar werden.